
(Grafik: Christina Leubner)
Es ist wieder leider schon Freitag, kein eigentlicher Read-Weekly-Gossip-Monday, aber genau so herzlich:
Hey RWG!
Mathematik gehört für viele zu den Fächern, die entweder geliebt oder gefürchtet werden. Doch was steckt eigentlich hinter dem Unterricht und den vielen Zahlen? In diesem Interview sprechen wir mit unseren Mathelehrerinnen und Mathelehrern, um mehr über ihren Berufsalltag, ihre Sicht auf Mathematik und ihre Tipps für Schülerinnen und Schüler zu erfahren. Dabei geht es nicht nur um Formeln, sondern auch um Spaß, Motivation und den Umgang mit Herausforderungen im Matheunterricht.
Blog AG: Warum spielt Mathematik im Schulalltag und im späteren Leben eine so große Rolle?
Herr Savelsberg: Im Schulalltag spielt Mathematik eine große Rolle, weil es als Hauptfach unterrichtet wird und daher von der fünften bis zur dreizehnten nicht abgewählt werden kann. Deshalb macht es auch viel aus.
Frau Schmidt findet, dass man, je nachdem, welchen Beruf man später macht, schon einiges an Mathematik braucht. Zum Beispiel müssen Dachdecker Flächenberechnungen von Dächern machen. Das ist angewandte Mathematik. Oder wenn man in einer Bäckerei arbeitet, sollte man mit dem Dreisatz rechnen können. Sie glaubt aber, dass die höhere Mathematik in der Oberstufe je nach Studium relevant ist, zum Beispiel im Maschinenbau, aber sonst eher weniger. Frau Kurz fügt hinzu, dass Mathematik in vielen Studiengängen wichtig ist, zum Beispiel im BWL-Studium oder in der Psychologie, muss man sehr viel rechnen. Sie glaubt, dass in Studiengängen sehr viel Mathematik gefragt ist und auch im normalen Alltag. Wenn man einkaufen geht, schaut man, wie viel Inhalt in den Packungen ist, wie groß die Packung ist und ob es wirklich ein Angebot ist. Wenn man möchte, findet man Mathematik überall im Alltag. Gerade beim Einkaufen kann man sie sehr oft verwenden. Situationen im Alltag sind sehr viel häufiger. Es ist nicht die hohe Mathematik, aber das Rechnen, dass man verwendet, wie Umformungen oder Einheiten umrechnen, kommt ständig im Alltag vor.
Blog AG: Wie kam es dazu, dass Sie Mathematik studieren wollten beziehungsweise dass Sie überhaupt Lehrer oder Lehrerin geworden sind?
Bei Herrn Frings war es so, dass Mathematik immer sein Lieblingsfach war und er schon als Kind gerne gerechnet hat, Kopfrechnen und solche Sachen. Irgendwann hat er angefangen, Nachhilfe in Mathematik zu geben, und das hat ihm so viel Spaß gemacht, dass er es studiert hat. Herr Savelsberg wollte auch schon immer Lehrer werden, weil er generell etwas Soziales machen wollte. Das ist einer der wenigen sozialen Berufe, die gut bezahlt werden. Dann war für ihn nur noch die Entscheidung, welche Fächer er am besten kann, und das waren die, die er studieren wollte. Das ist ein guter Ansatz, wenn man Lehrer werden will. Bei Frau Gramsch war es auch so: Sie wollte unbedingt etwas Soziales machen, hat gerne mit Kindern gearbeitet, Nachhilfe gegeben, auf Kinder aufgepasst und war auch schon immer naturwissenschaftlich-mathematisch begabt. In diesen zwei Richtungen gibt es nicht viel Überschneidung, um Lehrerin zu werden. Frau Kurz muss gestehen, dass sie als ganz kleines Kind schon gesagt hat, dass sie Lehrerin werden möchte. Sie war sich immer sicher. Sie wollte immer Grundschullehrerin werden und hat dementsprechend ihre Leistungskurse gewählt. Erst in der Oberstufe hat sie beschlossen, dass sie Mathematik und Französisch macht. Sie hat also einen ganz anderen Weg dahin gefunden, ist aber heute begeistert, dass sie beide Fächer gewählt hat.
Blog Ag: Wie kann man Mathematik so lernen, dass man Zusammenhänge versteht und nicht nur Formeln auswendig lernt?
Frau Gramsch findet das Beste ist, zumindest zu versuchen, sich möglichst viel zu visualisieren, also Dinge aufzuzeichnen. In der Geometrie zeichnet man Figuren erst einmal auf und schaut, welche Zusammenhänge es gibt. Genauso bei Funktionen oder auch bei Wahrscheinlichkeiten: Man kann ein Baumdiagramm zeichnen und schauen, was man alles hat, was man sucht und wie der Weg dorthin ist. Das ist immer eine gute Strategie. Herr Savelsberg geht davon aus, dass man selbst überlegen sollte, wie man an ein Problem herangehen kann, und sich dann im Nachhinein die Werkzeuge an die Hand nimmt. Diese Werkzeuge sind im Sinne von Formeln oder Vorschriften da, um dieses Problem zu lösen. Sein Lehrer hat früher immer gesagt: “Wenn ich als Werkzeug nur einen Hammer besitze, sieht jedes Problem auch aus wie ein Nagel.” So hat man bei jedem Problem auch die Möglichkeit, Probleme auf verschiedene Art und Weise anzugehen. Frau Schmidt erklärt uns, dass es bei Textaufgaben wichtig ist, dass man genau schaut, was gegeben ist und was gesucht wird. Sie versucht, genau zu sehen, was im Text enthalten ist, da es bei vielen Schülerinnen und Schülern das Problem ist, dass sie die Textaufgaben am Anfang, wenn sie jünger sind, nicht verstehen. Deshalb schaut man, was gegeben ist und was gesucht ist, und alle Informationen strukturiert aufschreibt.
Blog AG: Gibt es ein Themengebiet, das Ihnen besonders liegt oder Sie besonders interessiert?
Herr Savelsberg fühlt sich am wohlsten im Bereich der Stochastik, weil die Stochastik für die Schülerinnen und Schüler immer ein Themenbereich ist, der am schnellsten Anwendung im Alltag findet. Es gibt viele Dinge, bei denen man sagen kann, dass man die Stochastik darauf anwenden kann. Wahrscheinlichkeitsrechnung ist generell spannend. Ihm macht es besonders viel Spaß, den Schülerinnen und Schülern ein Verständnis dafür zu vermitteln, was Wahrscheinlichkeit eigentlich bedeutet. Auch Frau Kurz findet die Stochastik am spannendsten als Thema, das muss sie gestehen. Allerdings hat sie beim Unterrichten gemerkt, dass sie eigentlich eher ein Rechen-Mensch ist, mehr in Richtung Analysis. Sie rechnet unglaublich gerne mit Termen. Was sie eigentlich nicht gerne unterrichtet, ist Geometrie, weil sie das sehr schwierig zu unterrichten findet, weil man einfach das Zeichnen so schlecht kontrollieren kann und man permanent rum gehen muss, was aber nicht bedeutet, dass man es nicht mag, nur schwierig zu unterrichten. Blog AG: Wie kann Mathematik spannend und interessant gestaltet werden, auch wenn sie schwierig erscheint? Wie machen Sie das im Unterricht? Frau Schmidt versucht, durch Aufgaben einen Anwendungsbezug herzustellen, also zu zeigen, wo man das im Alltag anwenden könnte, und zu erklären. Herr Savelsberg versucht, in jedem Themenbereich oder in jedem einzelnen Unterthemenbereich immer mit einem Beispiel zu arbeiten und einzusteigen, die die Schülerinnen nicht lösen können, wo sie eine Idee haben, wie sie das lösen könnten. So können sich die Schülerinnen und Schüler Stück für Stück durch das Thema arbeiten und das Problem lösen. Dadurch wird die Frage „Wofür machen wir das eigentlich?“ ein bisschen abgenommen, auch wenn das nicht immer gut möglich ist.
Blog AG: Was viele Schülerinnen und Schüler interessiert: Sie sind ja nun Mathelehrerin oder Mathelehrer. Was machen Sie denn in Ihrer Freizeit?
Frau Kurz gesteht uns, dass ihre Freizeit mit Mathematik gar nichts zu tun hat. Sie besitzt einen Hund, mit dem sie unglaublich gerne rausgeht, und sie reitet leidenschaftlich gerne. Damit ist ihre Freizeit mehr als gefüllt. Frau Schmidt erzählt uns, dass sie in ihrer Freizeit eigentlich auch gar nichts mit Mathematik macht. Sie ist zusätzlich Sportlehrerin, macht sehr viel Sport, trainiert Mannschaften und hat eine kleine Familie mit ein paar kleinen Kindern. Frau Gramsch macht in ihrer Freizeit ebenfalls nichts mit Mathematik. Für sie ist das ein Ausgleich zum Schulleben. Sie treibt Sport, geht bouldern, läuft viel und ist gerne draußen in der Natur. Herr Savelsberg ist Familienvater und verbringt gerne Zeit mit seiner Familie. Hobbytechnisch spielt er sehr viele Tischrollenspiele, was tatsächlich ein bisschen mit Mathematik zu tun hat. Herr Frings meint, generell hat auch seine Freizeit wenig mit Mathematik zu tun und geht ebenfalls in Richtung Sport.
Blog AG: Welchen persönlichen Ratschlag möchten Sie den Schülerinnen und Schülern unserer Schule abschließend weitergeben?
Herr Savelsberg sagt, dass der vorherige Ansatz immer war, sich mit der Problemlöse-Möglichkeit auseinanderzusetzen. In der jetzigen Schülergeneration wird dieser Prozess jedoch von ChatGPT abgenommen, da die Schülerinnen und Schüler eine fertige Lösung bekommen. Der komplette Prozess vom Problem bis zur eigenen Lösung existiert dadurch oft nicht mehr. Für ihn ist genau dieser Weg jedoch der eigentliche Lernprozess. Er empfiehlt, sich ein paar Minuten länger mit einem Problem zu beschäftigen, bevor man sich die Lösung geben lässt oder sich den kompletten Prozess abnehmen lässt.
Wir danken den Lehrkräften der Fachschaft Mathematik herzlich für ihre Zeit und die aufschlussreichen Einblicke in den Mathematikunterricht am Rhein-Wied-Gymnasium.
Bis nächste Woche,
euer Blog
(Text: Nela Königsfeld)


