Es ist wieder Read-Weekly-Gossip-Monday, also:
Hey RWG!
Chemie ist viel mehr als nur Reagenzgläser und Formeln – sie steckt in unserem Alltag, oft ohne, dass wir es merken. Aber wie ist es eigentlich, Chemielehrer oder Chemielehrerin zu sein? Wir haben nachgefragt und Antworten bekommen, die zeigen, was Chemie und Chemieunterricht wirklich ausmacht. Dabei ging es nicht nur um Formeln und Experimente, sondern auch um persönliche Erfahrungen und die Begeisterung für ein Fach, das viel mehr mit unserem Alltag zu tun hat, als viele denken.
RWG-Blog: Warum haben Sie sich entschieden, Chemie zu unterrichten bzw. Lehrer oder Lehrerin zu werden?
Frau Baumgartner erklärt, dass sie schon immer gern mit jungen Menschen zu tun gehabt und Freude daran hatte, Wissen weiterzugeben. Chemie habe sie bereits in der Schule fasziniert, sie hatte selbst sogar Chemie als Leistungskurs gewählt, weshalb für sie der Weg klar gewesen war, auf jeden Fall Chemie zu unterrichten. Herr Steuer schloss sich dem an und sagte, auch ihm habe es immer Freude gemacht, Wissen zu vermitteln. Besonders interessiert habe ihn Chemie, da der Lebensweltbezug immer gegeben sei. Herr Brandau berichtete, er habe zunächst Diplom-Chemie studiert, allerdings nur kurz, weil er dabei vermisst hat, mit Menschen zu arbeiten. Stattdessen stehe man dort hauptsächlich im Labor, weshalb er den Lehrerberuf deutlich attraktiver gefunden hat. Herr Winterscheid betont, dass es unglaublich schön sei, jungen Menschen etwas beizubringen und sie auf die Welt vorzubereiten, vor allem auf aktuelle Probleme. Das betrifft auch schon das Fach Chemie. Gerade Chemie kann Alltagsprobleme lösen und sei eine oft unterschätzte Wissenschaft und zugleich ein logisches sowie sehr zukunftsweisendes Fach.
RWG-Blog: Welche Themen finden Sie im Fach Chemie besonders spannend, die Sie den Schüler und Schülerinnen auch gerne näher bringen?
Herr Steuer erklärte, dass er als Zweitfach Biologie hat und ihn deshalb besonders die Verknüpfung beider Fächer interessiere; vor allem Biochemie findet er sehr spannend. Herr Winterscheid hob hervor, dass Modelle in der Chemie sehr wichtig seien, da man viele der behandelten Dinge nicht direkt sehen könne. Deshalb sei es entscheidend, Hypothesen aufzustellen, Modelle zu entwickeln und diese zu überprüfen, um schließlich Lösungen zu finden. Herr Brandau, der ebenfalls Biologie und Chemie unterrichtet, stimmte dem zu und ergänzte, dass Chemie besonders interessant wird wenn sie einen aktuellen Bezug oder eine Verbindung zur Biologie hat, da man so erkenne, dass sie kein Selbstzweck sei, sondern im Alltag überall vorkomme. Frau Baumgartner sagte, sie unterrichte besonders gern die beiden Themen Säure-Base-Reaktionen und Kunststoffe, vor allem wegen ihres starken Alltagsbezugs, da Kunststoffe uns überall umgäben und Säure-Base-Reaktionen ein grundlegendes Reaktionsschema darstellen. Auch das Donator Akzeptor Prinzip ist selbst in die Sozialkunde übertragbar.
RWG-Blog: Wie versuchen sie den Chemieunterricht so ,,greifbar” wie möglich zu gestalten?
Herr Winterscheid erklärte, er versuche, zunächst das Vorwissen der Schülerinnen und Schüler zu nutzen, um gemeinsam Probleme aufzustellen. Ziel sei es, ihre Motivation zu wecken, damit sie Probleme selbst lösen können. Gleichzeitig merkte er an, dass Chemie oft weit über das Alltagswissen hinausgehe. Herr Brandau ergänzte, dass Chemie besonders interessant werde, wenn man Verbindungen zu anderen Fächern wie Biologie, Erdkunde oder sogar Sozialkunde herstelle. Herr Steuer schloss sich Herrn Brandau an, gerade das Fächerübergreifende mache die Sinnhaftigkeit deutlicher und viele Prozesse ließen sich besser verstehen. Frau Baumgartner betont, dass Alltagsbeispiele besonders hilfreich sind, etwa wenn gezeigt wird , wie man aus Fett Seife herstellen kann und wie der Weg dahin ist.
RWG-Blog: Sie hatten es schon gerade eben angesprochen: Wo begegnet uns Chemie im Alltag, auch wenn wir es nicht direkt bemerken?
Herr Brandau nannte als Beispiel den Lösungsvorgang, denn er auch gerne an jüngere Klassen verrät: Wenn Schülerinnen und Schüler ihren Tee oder Kaffee süßen,haben sie den Löffel vor Augen und sehen den Lösungsvorgang direkt vor ihnen. Das ist Chemie im Alltag. Herr Winterscheid sagte, beim Thema Säuren hätten viele sofort Warnsignale im Kopf, das ist gefährlich aber auch im Salat ist die Essigsäure und dass man dann die Unterschiede herausfindet und mit fundiertem Wissen aufklären kann. Herr Steuer bleibt bei dem fächerübergreifenden Aspekt. Auch das Thema Ernährung, gerade bei Jugendlichen, wird immer wichtiger und solche Aspekte wie Ernährung, Proteine und Makromoleküle Verbindungen haben natürlich etwas mit Chemie zu tun.
RWG-Blog: Welche Voraussetzungen sollte man für Chemie mitbringen? Braucht man spezielle Eigenschaften, um gute Note in Chemie zu bekommen?
Herr Winterscheid nannte in erster Linie Spaß an Naturwissenschaften als wichtigste Voraussetzung. Für die Oberstufe, insbesondere Leistungskurse, sei zudem ein gewisses mathematisches Verständnis hilfreich, da man an Rechnungen nicht vorbeikomme. Für Grundkurse sei vor allem Interesse entscheidend. Das ist der beste Lernberater. Herr Brandau ist der Meinung, wichtig sei Neugier und der Wunsch, Dinge verstehen zu wollen; man müsse eher ein „Erkenntnisjäger“ als ein „Energiesparer“ sein. Daran knüpft Herr Steuer auch an. Er sagt, dass der Erkenntnisweg ein zentraler Aspekt der Naturwissenschaften sei und man bereit sein müsse, Probleme zu lösen, Fragen zu stellen, Vermutungen aufzustellen und Hypothesen zu überprüfen. Frau Baumgartner ergänzte, dass man Spaß am Lernen haben sollte. In ihrem zweiten Fach Deutsch kann man ja schonmal sagen: „Mit dem Thema komme ich nicht zurecht, vergess‘ ich jetzt wieder.“ In der Chemie sei das nur schwer möglich, also muss man immer das Wissen mitnehmen und darauf weiter aufbauen. Davon ist ihrer Meinung nach auch der Erfolg abhängig.
RWG-Blog: Was viele Schülerinnen und Schüler interessiert: Sie sind Chemielehrer und Chemielehrerin, aber was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Herr Steuer sagte, dass er viel Sport treibe, zum Beispiel spiele er Handball, gehe ins Fitnessstudio oder laufen. Das sind Dinge, die er in seiner Freizeit gerne macht. Herr Winterscheid berichtete, er ist junger Familienvater mit zwei Kindern, die ihn stark forderten, und zusätzlich möchte ein Haus renoviert werden; wenn die Kinder im Bett sind, ist oft der Schreibtisch sein Hobby. Frau Baumgartner sagte, sie beschäftige sich gern im Garten und verbringe viel Zeit mit ihrem Hund Samu. Herr Brandau erklärte, er wohnt am Siebengebirge und ist in jeder freien Zeit draußen im Wald unterwegs, mit dem Hund; außerdem höre er gern Musik, bewege sich viel und treffe Freunde. Frau Fehrenbach berichtete, sie habe momentan wenig Freizeit, da sie Referendarin für Chemie ist, sie bastelt aber gern oder töpfert etwas, sie ist gerne kreativ, was gut zum Experimentieren passt. Herr Swintsow, ebenfalls Referendar, meinte, er verbringe seine Freizeit entweder mit PC-Spielen oder im Fitnessstudio.
RWG-Blog: Welche Ratschläge möchten Sie den Schülerinnen und Schülern mitgeben?
Herr Brandau sagte, die Ratschläge gebe er sowohl seinen Kindern als auch seinen Schülerinnen und Schülern: Es ist wichtig, neugierig durchs Leben zu gehen, möglichst selten nur auf Bildschirme zu schauen und stattdessen selbst nachzudenken. Herr Swintsow rät, die Schulzeit zu genießen, auch wenn sie nicht immer angenehm aus unserer Perspektive erscheint. Herr Steuer betont, getreu unserem Motto an der Schule, man solle die Zeit trotz des Stresses wertschätzen, da es später oft nicht mehr so entspannt werde wie in der Schule. Herr Winterscheid forderte die Schülerinnen und Schüler dazu auf, alles zu hinterfragen und Diskussionen zu führen, weil dies den Unterricht bereichere, lebendiger mache und häufig zu besseren Ergebnissen führe, und nicht so langweilig sei als wenn nur vorne der Lehrer vorträgt.
Wir danken den Lehrkräften der Fachschaft Chemie herzlich für ihre Zeit und die spannenden Einblicke in den Chemieunterricht am Rhein-Wied-Gymnasium!
Bis nächste Woche,
euer Blog.
(Text: Nela Königsfeld)






